Die Polyfantasiawoche ist eine Gelegenheit zum Treffen, Streiten und Feiern für Queers, Trans*menschen, Terrortunten, Perverse und Lesbischwuteros. Ein Raum mit Respekt für Differenzen und unnormale Vorlieben. Wer das akzeptiert, ist willkommen. Bei frühzeitiger Anmeldung können wir Übernachtungsplätze in Erfurt organisieren.
Alle Veranstaltungen mit Ausnahme des Polyfantasiaballs finden in der Johannesstraße 151 statt. Der Ball findet im Hans zum Glück, Am Wasserturm 5 statt. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Biko und dem DGB-Bildungswerk Thüringen.

Programm Polyfantasiawoche 2014

Dragking-Workshop
Samstag, 09. August, 14:00 Uhr
Referent_in: Adinda AKA Johnny the Dog
Wir wollen uns und Euch in drag bringen! Nach einem queer-feministischen Input zum Zusammenhang von Drag und patriarchalen Vorstellungen von Geschlecht sowie zur Geschichte von Drag, Tunte, King und Auffummeln soll es um die Erfahrungen, Wünsche und Interessen gehen und sehr praktisch werden: Was für ein Mann möchtet ihr heute mal sein oder werden?
Wir bauen nach, was Männer angeblich so in der Hose haben, üben Bewegung und Posen, erfahren wichtige Tipps und Tricks und legen dann Make-up und „männliche“ Kleidung an. Wer mag, ist im Anschluss eingeladen, bei einem Stadtrundgang durch Erfurt den neuen Look im Alltag zu erleben.
Der Workshop ist offen für alle Geschlechter und findet auf Englisch und Deutsch statt.
Adinda AKA Johnny the Dog ist ein erfahrener holländischer Dragking, der nach seinem ersten Dragking-Workshop anfang der 1990er, nun 2014, selbst viele Workshops und Dragking-Contests geleitet und an der Schauspielschule in Amsterdam zu Geschlechterinszenierungen gelehrt hat.

„Spaß am Schnüren, meterweise“ – Queer-feministischer Bondage-Workshop
Montag, 11. August, 20:00 Uhr
Referent_in: Ann Antidote
Wir laden Euch ein zu einer auf der Shibari-Tradition basierenden Einführung in Bondage, der einvernehmlichen Fesselung von (erwachsenen) Personen mit einer erotischen oder ästhetischen Absicht. Der Workshop ist für Anfänger_innen konzipiert – von Punkt Null. Ein ganz wesentlicher Teil davon wird Materialien, Sicherheit, Motivationen um Bondage machen zu wollen, Verhandlung und Konsent, Verantwortung, usw. gewidmet sein. Nach der Erläuterung erster Knoten und Techniken, werden wir experimentieren, was an Spaß mit dem Seil möglich ist.
Queer wird als SafeR Space gemeint, pro-aktiv frei von antifeministischen, rassistischen, diskriminierenden und gewalttätigen Verhalten durch kollektive Verantwortung.
Bitte bringt etwas zum Liegen (Decke, Yogamatte) und wer hat, eigenes Seil, mit.
Ann Antidote ist eine DIY-Künstlerin, aktiv in den Bereichen Bondage, Video, Performance, Installationskunst und Landschaftsmalerei. Sie unterstützt polyamoröse, queere, kinky und sexpositive Lebensentwürfe und gibt in Berlin, wo sie lebt, und darüber hinaus Vorstellungen und Workshops zu diesen Themen. Ihre Website ist www.strangesavagelives.net.

Küche für fast Alle
Dienstag, 12. August, 19:00 Uhr
Lecker veganes Essen… und im Anschluss:

Kurzfilmabend
Dienstag, 12. August, 20:00 Uhr
Nach dem Blick auf queere Musikvideos im vergangenen Jahr, zeigen wir dieses Mal que(e)rbeet Filme aus der ganzen Palette des queer-feministischen Spektrums und freuen uns auf spannende Diskussionen in einer angenehmen Atmosphäre.

Sexualität – Aufklärung in Lehrplänen?!
Mittwoch, 13. August, 20:00 Uhr
Als im Januar 2014 in Baden-Württemberg der Entwurf zum neuen Lehrplan bekannt wird, ist der Volkszorn bei konservativen Politiker_innen, christlichen Fundamen-talist_innen usw. groß. Warum? Weil in den Lehrplan die „Akzeptanz für sexuelle Vielfalt“ aufgenommen werden soll. Knapp 200 000 Personen unterschreiben eine Online-Petition dagegen. Auch in Thüringen wird aktuell über die Lehrpläne gestritten.
Wir wollen den Blick auf unsere eigenen Erfahrungen lenken und anhand von zur Verfügung gestellten, aber auch gern von den Teilnehmer_innen selbst mitgebrachten, Unterrichtsmaterialien untersuchen, ob mensch Angst haben muss, dass die Kinder in den Schulen homo-heterosexuell werden. Wir wollen auch darüber diskutieren, wie eine gehaltvolle und allen Menschen gerecht werdende sexuelle Aufklärung aussehen könnte.
Die Veranstaltung wird gefördert vom lokalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus der Stadt Erfurt.

„Sie erlaubt das jetzt, aber sie fühlt sich eigentlich nich‘ cool damit.“ – Polyamory und (die Grenzen der) Einvernehmlichkeit
Donnerstag, 14. August 20:00 Uhr
Referent_in: Gesa Mayer
Gegen die mono-normative Logik von trauter Zweisamkeit und/oder heimlichem „Fremdgehen“ setzen Polyamory-Konzepte die Möglichkeit, verantwortungsvolle Nichtmonogamie mit dem Wissen und der Zustimmung aller Personen, die in die jeweilige Konstellation involviert sind, zu leben. Statt herrschende, auch implizite, Beziehungsnormen unreflektiert zu übernehmen, eröffnen kommunikative Offenheit und Aushandlung einen erweiterten Spielraum dafür, Intimität und Beziehungen ausgehend von den Wünschen und dem Einverständnis der Beteiligten zu gestalten. In der Praxis allerdings stößt das Konsensualitäts-Ideal häufig dort an Grenzen, wo beziehungsinterne Machtverhältnisse und soziale Statusunterschiede ein Verhandeln auf Augenhöhe erschweren. Und auch unter weitgehend Gleichberechtigten ist es im Alltag manchmal schwierig bis unmöglich, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen und allen Ansprüchen gerecht zu werden. Wird Einvernehmlichkeit darüber hinaus als vertragsähnliche Einigung sich stets selbst durchschauender, rational handelnder Subjekte (miss-)verstanden, geraten neben der Wirkmächtigkeit gesellschaftlicher Diskurse und Machtverhältnisse leicht auch die affektiven, weniger berechenbaren Dimensionen des Begehrens aus dem Blick.
Anhand von Interviews mit Menschen, die in Poly-Konstellationen leben, schildert der Vortrag einige Prinzipien, Verwirklichungen und Grenzen polyamoren Einvernehmens. Einem der Interviews ist auch das titelgebende Zitat entliehen.
Gesa Mayer ist Diplom-Soziologin und promoviert an der Universität Hamburg mit einer empirischen Studie zu monogamen und nichtmonogamen Beziehungsformen.

Polyfantasia-Ball 2014 (Facebook-Event)
15. August, 21:00 Uhr
Hans zum Glück, Am Wasserturm, Erfurt
mit Musik von:
jolly goods (riot grrrl garage, berlin)
tiger magic (post hardcore, leipzig)
solaris (institut für zukunft, leipzig)
phonatic (inversion, berlin)
12 inch kid & miša (vocal dubstep, leipzig)
Polyfantasiaball 2014 Jingle

Kaffee und Kuchen
Samstag, 16. August, 15:00 Uhr und danach:

„Das ‚A‘ in Queer – ein sexpositiver Blick auf Asexualität“
Samstag, 16. August, 17:00 Uhr (pünktlich)
Referent_in: Andrzej Profus
Warum sind Asexuelle innerhalb queerer Kontexte so gut wie unsichtar? Ist ein Bedürfnis nach Sexualität wirklich etwas, das alle haben? Zu Beginn sehen wir die Dokumentation „Some like it hot, some like it not“, die aufzeigt, wie die Sexualwissenschaft im Laufe ihrer Geschichte mit nicht vorhandenem sexuellen Interesse umgegangen ist. Im Vortrag geht es um die Unterscheidung zwischen sexueller und romantischer Orientierung, darum was asexuell und sexpositiv sein gemeinsam haben, ob Asexualität queer ist, um Consent und darum was du tun kannst, damit sich Asexuelle in deiner Community wohlfühlen. Sodann ist Raum für Fragen und Diskussion.
Andrzej Profus beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Themen um Beziehungen, Sexualität und Normen und ist Herausgeber_in des sexpositiven Zines „Wer A sagt, muss nicht B sagen“ über A_sexualität und A_romantik, betreibt den Blog www.asexyqueer.blogsport.de und spielt in der Band „friend crush“.